Pressestimmen
Auf dem Weg zum „Das will ich“-Moment
Das große Studio der Herrenberger Musikschule ist voll – nicht nur mit Dutzenden von Instrumenten, sondern an diesem Samstag auch mit mindestens genauso vielen Kindern und ihren Eltern. Die Türen sind heute nämlich nicht nur für die Schüler offen, sondern für alle, die ganz neu anfangen oder erst mal herausfinden wollen, ob das Musizieren überhaupt etwas für sie ist. Das Gebäude steht zur Erkundung und zum Ausprobieren frei, doch davor gibt es unter dem Motto „Die Maus macht Musik“ die spielerische Präsentation aller zu lernender Instrumente und der dazugehörigen Fachlehrkräfte. Sie zeigen, wie wichtig ein gemeinsames Tempo ist. Denn ist dieses nicht gegeben, spielt das Orchester entweder viel zu langsam oder viel zu schnell, was dazu führt, dass die Titelmelodie der „Sendung mit der Maus“ sich erst beim dritten Versuch auch wie diese anhört. Dann aber wird dem Publikum deutlich, wie viel Spaß Musik, vor allem in größeren Gruppen, macht.
Auch Schulleiterin Ulrike Goldau freut sich über die vielen neuen Gesichter. Für sie sei es besonders wichtig, den Kindern die Möglichkeit zu geben, konkret herauszufinden, was ihnen am besten gefällt. „Kinder wissen ganz schnell, was ihres ist“, meint sie. Der „Das will ich“-Moment sei das Ziel dieses Nachmittags. „Meist ist allerdings einfach die Chance, Instrumente in die Hand zu nehmen und zu begutachten, das Spannendste.“
Durch die Vorstellung leitet Blockflötenlehrerin Astrid Andersson als „Maus“. Eingeteilt in Bläser, Tasteninstrumente, Streicher, Blechbläser, Gitarren und Percussion, wird jedes Instrument einzeln vorgespielt und erklärt. Danach spielt jede Gruppe gemeinsam ein Stück. So gibt es gespenstische Klänge auf der Geige, die sich tatsächlich wie das Heulen des Windes durch ein Fenster anhören, sowie die „Pippi Langstrumpf“-Titelmelodie auf der Flöte. Präsentiert wird ebenfalls, wie man die Gitarre mithilfe eines E-Bows der Geige sehr ähnlich klingen lassen kann. Schließlich zeigt die Percussion, dass es anhand der eigenen Arme und Beine gar nicht schwer ist, Musik zu machen. Das Publikum zum Stampfen und Klatschen aufgerufen, wird der Rhythmus um das Schlagzeug ergänzt – der gesamte Saal bebt.
Mit Ende der Präsentation strömen aufgeregte Kinder und gespannte Eltern aus dem Studio und verteilen sich auf die weiteren Räume. Jetzt geht es ans Angucken, Anfassen und natürlich Ausprobieren. Keine fünf Minuten vergehen und schon hört man erste Töne über die Gänge hallen. Am Cello beispielsweise zeigt Lehrer Andrés Ruiz-Sará zuerst das Zupfen, fügt dann den Bogen hinzu und lässt die Kinder eine Note damit halten. Spätestens, wenn er selbst die bekannte „Bruder Jakob“-Melodie darüber spielt, ist in kürzester Zeit ein echtes musikalisches Ersterlebnis für die Kleinen entstanden.
Instrumente wie Schlagzeug oder Klavier haben so viel Andrang, dass vor den Räumen Schlangen entstehen. Ebenfalls besonders interessiert am Tasteninstrument ist die Grundschülerin Emma. „Ich finde es toll, wie groß die Töne klingen“, erklärt sie. Zum Gesangsunterricht, den das Mädchen nimmt, passt das Klavier natürlich auch sehr gut, denn damit könnte sie sich sogar selbst begleiten. Ebenfalls in Betracht ziehe sie das Horn. Für ihren jüngeren Bruder bräuchte es noch ein kleines, zu seiner Größe passendes Instrument. „Er ist aber auch erst vier“, erklärt seine Mutter. „Ein bisschen Zeit hat das also noch.“
Der Nachmittag mit seinen offenen Türen klingt im wahrsten Sinne des Wortes nach – läuft man die Bismarckstraße entlang, hört man auch von draußen noch die Flöte mit ihrer „Pippi Langstrumpf“-Melodie pfeifen.
Gäubote, 12.05.2026
Oona Jackson