Pressestimmen

Ein Reichtum an Empfindungen

Der Pianist Lukas Saalfrank sitzt am Flügel. Sein Ausdruck ist konzentriert und andächtig.
Lukas Saalfrank, Dozent der Musikschule, spielt alles auswendig. GB-Foto: Vecsey

Mit einem Forteschlag setzt das erste Impromptu aus dem Opus 90 von Franz Schubert ein, dann entfaltet sich eine Art Volkslied, anrührend und traurig, das kunstvoll variiert wird, mal fließend, mal von hämmernden Akkorden begleitet. Mit dem romantischen Werk eröffnet Lukas Saalfrank sein Porträtkonzert im Studio der Musikschule. Seit gut einem Jahr ist der junge Pianist hier als Dozent tätig. Seine Vita weist eine Reihe von Auszeichnungen auf und verrät, dass seine Leidenschaft der Kammermusik und der Liedbegleitung gilt.

Sein Spiel ist temperamentvoll, frisch, wirkt ganz frei, vielleicht auch, weil er alles auswendig spielt. Liebenswürdig wendet er sich seinem Publikum zu, erzählt etwas zur Musik, das hilft beim genauen Hinhören und dient dem Kennenlernen, so wünscht er es sich. „Es ist mein bisher längstes Konzert“, lässt er wissen, 75 Minuten werden es sein, und die vergehen wie im Flug, so schön ist das alles: Schubert, Brahms, Granados – Musik der Gefühle und Stimmungen, in Formen gebracht, die anzurühren und mitzureißen vermögen.

„Was ist ein Impromptu?“, fragt Saalfrank, bevor er loslegt. „Ein musikalischer Einfall, eine Idee“, erläutert er. Die Romantik war ja geprägt von einem unversiegbaren Strom neuer Ideen, in dieser Musik erlebt man es intensiv: Mit dem Rückzug ins Private wandte man sich nach innen, brachte Empfindungen und Sehnsüchte in musikalische Form. Das zweite Impromptu ist hell, sprüht vor perlenden Läufen, man fühlt sich an die Hand genommen, tanzt über Wiesen… auch hier schleicht sich manchmal ein leises Moll ein, das auch im kraftvollen Spiel des Pianisten noch zu ahnen ist. Nachdenklich, ja tiefsinnig erklingen die langgezogenen Weisen des dritten Impromptus – ein sanftes Lied ohne Worte. Abwechslungsreich, als wolle er die Höhen und Tiefen der Seele einfangen, erklingt der vierte Teil, spannende Momente entstehen, wenn nach kurzem Innehalten der Gemütszustand jäh wechselt.

Nach der Pause – zum Atemholen! – nimmt Saalfrank sich Johann Sebastian Bachs italienisches Konzert BWV 971 vor. Ihm liegt daran, das Sinfonische der Komposition hervorzuheben. Einem Allegro folgt ein intensives Andante, mit langen Tonlinien, während die begleitende Stimme manch kleine Ausreißer unternimmt; im Presto darf sich die virtuose Kunst des Pianisten entfesseln, der es lebhaft und beherzt präsentiert.

Auch Johannes Brahms ist ein Komponist der Romantik: Die Klavierstücke Opus 118 enthalten einen Reichtum an Empfindungen, der tief berührt. Mit den ersten drei der sechs Klavierstücke lässt Saalfrank den jeweils ganz unterschiedlichen Charakter jedes Stücks anklingen. Das erste ertönt voller Inbrunst, fast heftig, starke Spannungen sind zu spüren, das zweite vermag wie ein Wiegenlied das Herz zu wärmen und zu beruhigen, das dritte ist im Kontrast dazu voller Dramatik: Man merkt, immer noch steckt Saalfrank voller Energie. Mit den „Valses Poéticos“ von Enrique Granados wird man nach Spanien versetzt, zur Musik der Spätromantik im Übergang zur Moderne.

Die acht Walzer gestalten sich kurzweilig, der turbulente Beginn leitet in einen Walzer über, der am Ende auch den Reigen schließt: eine wundersame Melodie, die ans Herz geht. Dazwischen erklingen Walzertakte, mal leicht und beschwingt bis übermütig, mal schwer und tragisch angehaucht – ein Wechsel der Gemütszustände, der hingebungsvoll und hinreißend dargeboten wird. Man schwelgt im Auf und Ab, fühlt sich verwöhnt, es ist ein Verwöhnkonzert, in dem man eine Fülle von Gefühlen und Stimmungen durchlebt, vom Pianisten so beherzt wie einfühlsam zum Ausdruck gebracht – das Publikum, Kollegen, Schüler seiner Klavierklasse, Eltern und Konzertliebhaber, gratulieren begeistert und gerührt.

Für sein Konzert hat Lukas Saalfrank die Komponisten ausgewählt, mit denen er aufgewachsen ist, die Zugabe lässt noch andere Vorlieben erahnen: Mit dem „Jazz Prelude“ von Nikolai Kapustin entlässt er seine Zuhörer aus der Umarmung der Romantik und setzt einen modernen Akzent. Der ukrainisch-russische Komponist des 20. Jahrhunderts vereinte Elemente des Jazz mit denen klassischer Musik, auch Johann Sebastian Bachs. Hier hat man den Eindruck: Das ist Saalfranks Musik, ihr fühlt er sich innig verbunden.

Gäubote, 17.11.2025
Gabriele Pfaus-Schiller

 

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