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Eselsbrücken bauen
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Für Celina Schiffer und Julius Vogel aus der Musikschule Herrenberg ist der kommende Sonntag, 1. Februar, von großer Bedeutung – wie für viele andere junge Musikanten aus der Umgebung. Denn auch dieses Jahr nehmen zahlreiche musikalische Talente am Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ teil. Bei erfolgreichem Auftritt geht es für die Teilnehmer weiter zum Landes- oder sogar zum Bundeswettbewerb.
Auch vier Jugendliche aus der Musikschule Herrenberg nehmen am Wettbewerb teil. Der Sänger Julius Vogel und die Sängerin Celina Schiffer stellten am Freitag bei der „Jugend musiziert Soirée“ im Studio der Musikschule Herrenberg ihr Wertungsspiel vor. Für sie soll dieser Abend als eine „Generalprobe“ dienen, so der stellvertretende Musikschulleiter Michael Kraus, bevor sie nächste Woche das Ergebnis mühevoller Vorbereitung präsentieren dürfen.
Wichtig an diesem Abend ist, dass die Rahmenbedingungen möglichst dem angepasst werden, welche die Schüler beim Wettbewerb in Sindelfingen erwartet. Daher wird beispielsweise auch erst am Ende des gesamten Programms applaudiert und nicht zwischen den einzelnen Beiträgen.
Die Teilnehmer müssen ein Programm mit mehreren Liedern vorsingen, wobei ein Volkslied beinhaltet und mindestens zwei Epochen abgedeckt werden müssen. Beide Teilnehmende singen ihr Programm auswendig vor und werden von Harald Streicher am Klavier begleitet. Den Start macht Celina Schiffer. Sie singt Sopran und deckt mit ihrem Programm, bestehend aus sieben Liedern, durchaus mehr als zwei Epochen ab. Das älteste Werk in ihrem Programm ist beispielsweise das barocke Lied „How beautiful are the feet“ aus Georg Friedrich Händels „Messiah“. Das neueste wiederum ist das Lied „Spring Sorrow“ von John Ireland. Als Volkslied hat sich die 16-Jährige „Wenn ich ein Vöglein wär“ ausgesucht. Ihr Programm schließt sie mit Brahms’ „Ständchen Op. 106. Nr. 1“ ab.
Nach einem wohlverdienten Applaus übernimmt der 19-jährige Julius Vogel die Bühne. Er singt Bass und präsentiert neben Stücken von Beethoven („Hat man nicht auch Gold beineben“), Mozart („O Isis und Osiris“ aus der „Zauberflöte“) und Schubert („Frühlingstraum“) gleich drei fremdsprachige Lieder: Das weltberühmte Volkslied „Bella Ciao“, das Lied „Jägargossen“ von Jean Sibelius und das russische Lied „Mi otdokhnyom Op. 26: Nr. 3“. Jean Sibelius ist zwar ein finnischer Komponist, das Lied „Jägargossen“ ist allerdings auf schwedisch verfasst. Im Vergleich zum russischen Lied sei das schwedische für Julius nicht allzu herausfordernd gewesen. „Schwedisch ist ja auch eine germanische Sprache“, erklärt er. Bis auf manche ungewöhnliche Laute habe er daher keine allzu großen Schwierigkeiten gehabt. „Manche Wörter ähneln deutschen Wörtern. Dadurch kann man sich Eselsbrücken bauen — die vielleicht nicht stimmen, aber trotzdem helfen“, erklärt er humorvoll.
„Der Text war das allerschwerste“, kommentiert er wiederum das russische Lied „Mi otdokhnyom Op. 26: Nr. 3“. Rachmaninow ist ohnehin nicht dafür bekannt, einfache Stücke zu komponieren, daher sei dieses Lied „auch das musikalisch anspruchsvollste“ aus Julius’ Programm gewesen, erklärt die Gesangslehrerin der beiden Teilnehmer, Cordelia Hanus. Hinzu kamen für Julius die komplett neuartige Aussprache und die fremden Wörter, die er auswendig lernen und fehlerfrei vorsingen musste.
Am Sonntag, 1. Februar, geht es für die zwei Herrenberger nach Sindelfingen. Dort wird ihr Wertungsspiel von einer Jury bewertet und es wird sich herausstellen, ob sie in die nächste Runde kommen.
Insgesamt bewerten beide den Vorbereitungsprozess als sehr positiv und sehen einen riesigen Lerneffekt darin. Denn durch diesen Antrieb hätten sie insgesamt viel mehr trainiert und sich somit verbessert. „Es ist auch für die Persönlichkeit eine Entwicklung“, fügt Cordelia Hanus hinzu. „Man wächst an diesem Wettbewerb sehr“, schlussfolgert die Gesangslehrerin. Sie betont aber auch, dass man „rechtzeitig anfangen“ muss. Immerhin üben Celina und Julius seit fast einem Jahr ihre Lieder – und das sei auch notwendig, es reiche nicht „im September anzufangen“, meint Cordelia Hanus.
Gäubote, 26.01.2026
Ihsan S. Kücükkaya