Pressestimmen
Hinreißend und die Seele weitend
Er bringt Fröhlichkeit, der Gott Jupiter in der Suite „The Planets“ von Gustav Holst. Mit „Jupiter, the Bringer of Jollity“ beginnt das Adventskonzert in der Stiftskirche, gestaltet von den jungen Chören und Orchestern Herrenbergs. Ein prachtvoller Reichtum an Klangfarben wird vom Jugendsinfonieorchester, am Pult steht seine Leiterin Miriam Raspe, fast dramatisch, dann auch wieder weich modulierend ausgebreitet.
In der voll besetzten Kirche, in kuscheliger Atmosphäre, Familien und Musikliebhaber in spannungsvoller Erwartung, fällt die Musik wie frische Saat auf fruchtbaren Boden. Sie sät weihnachtliche Empfindungen, die klangfarbenprächtig mit „The Colours oft Christmas“, lieblichem Glockenklang und zartem Chorgesang bekräftigt werden.
Hell und leicht erklingen mit zwei Adventsliedern, darunter „Wir sagen euch an, den lieben Advent“, die jungen Stimmen der Kinderkantorei unter der Leitung von Christa Feige. Dieser kleine Chor erhält entgegen der anfänglichen Bitte, den Applaus bis zum Schluss aufzuheben, davon einen kräftigen Vorschuss, die spontane Begeisterung im Publikum duldet einfach keinen Aufschub. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ gehört zu den schönsten und ergreifendsten Weihnachtsliedern, die ganze Gemeinde folgt nun gern der Aufforderung mitzusingen.
Die Jugendkantorei trägt drei Lieder vor, darunter „Days of Beauty“. Man wiegt sich in einer geradezu weihevollen Stimmung, man meint einem Engelschor zu lauschen, der ausdrucksvoll vom Finden des Weges in stürmischen Zeiten erzählt. Zwei Adventslieder werden wieder gemeinsam angestimmt: Das Publikum ist animiert und beteiligt sich engagiert, mit dem Chor wendet es sich kraftvoll himmlischen Sphären zu mit „Maria durch ein Dornwald ging“ und „Es kommt ein Schiff, geladen“.
Zarte Flötentöne aus dem Orchester leiten ein Thema aus dem „Schwanensee“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski ein, das klangmächtig vom gesamten Jugendorchester aufgegriffen wird. Unter der Leitung von Ryoko Yoshihara tritt das Gesangsensem-ble der Musikschule auf, drei Weihnachtslieder werden vorgetragen voller Ausdruck und Innigkeit, dezent begleitet von der Orgel, worauf der Beifall sich so jubilierend Bahn bricht, wie es im dritten der Lieder, „In dulci jubilo“ anklingt.
Die Kinderkantorei bringt den Advent zum Leuchten, trägt das Lied „Lasst uns froh und munter sein“ vor, das man so virtuos und abwechslungsreich wohl selten hört: mit Variationen und kleinen Zwischenspielen von Querflöte und Klavier, kein Wunder, dass der Applaus gar nicht enden will. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ des tschechischen Komponisten Karel Svoboda ist die Musik zu einem Märchenfilm, womit das Jugendorchester einen enthusiastischen weihnachtlichen Akzent setzt.
Die harmonischen Melodien der Choräle des englischen Komponisten John Rutter „Star Carol“ und „Christmas Carol“, ebenso das anschließende „Dona nobis pacem“ versetzen die Zuhörer in eine selige, friedliche Stimmung, bereiten vor auf den letzten Programmpunkt, „And the Glory of the Lord“ aus dem Oratorium „Messias“ von Georg Friedrich Händel. Mit diesem prachtvoll ausgestalteten Lobgesang auf die Herrlichkeit Gottes beschenken Chor und Orchester ihr Publikum zum Abschied. Ausdrucksvoll und empathisch vorgetragen, bildet dieser Ausschnitt aus einem ergreifenden Meisterwerk einen Schluss, der den Weg zu Neuem weist: Er öffnet die Ohren und spricht damit auch die Seele der Zuhörer an, und was will die Musik mehr, besonders die adventliche Musik der Besinnung, der Hoffnung und der Sehnsucht nach Frieden! Das Publikum bringt eine überwältigte Freude applaudierend zum Ausdruck, viele reißt es von den Sitzen. Das harmonische Zusammenspiel aller Beteiligten von Stiftskirche und Musikschule wird gewürdigt, ihr jeweils ganz eigener Ausdruck und Charakter. Gewürdigt wird die Begeisterung, mit der die drei musikalischen Leiterinnen, Miriam Raspe, Christa Feige und Ryoko Yoshihara, diese großartigen Darbietungen aus den Jugendlichen hervorlocken. Nicht zuletzt schließt der Beifall auch den Mitwirkenden im Hintergrund mit ein, Ulrich Feige als Begleiter an Klavier und Orgel.
Mancher mag auf eine Zugabe gehofft haben, aber es ist ja im Advent nicht der letzte Auftritt der Kinder- und Jugendkantorei: Am 14. Dezember um 11 Uhr im Gottesdienst treten sie zur Verabschiedung von Christa Feige auf, und am selben Tag um 17 Uhr findet in der katholischen Kirche St. Martin das Konzert zum Jahresende der Musikschule statt.
Gäubote, 08.12.2025
Gabriele Pfaus-Schiller