Pressestimmen
Von Spirituals bis zu großer Filmmusik
Mit einem facettenreichen Konzertabend begeisterten Nachwuchsensembles rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörer in der Herrenberger Stadthalle. Unter dem gemeinsamen Motto musikalischer Vielfalt präsentierten das Trompetenensemble, die Jugendkapelle der Stadtkapelle, das Streicherensemble „Archi Cantabile“ sowie das Jugendsinfonieorchester der Musikschule ein Programm, das von Spirituals über Filmmusik bis hin zu sinfonischer Unterhaltungsmusik reichte. „Wir hatten schon gestern einen gut besuchten Tag der offenen Tür“, berichtete Musikschulleiterin Ulrike Goldau (der „Gäubote“ berichtete). Zum Muttertag zeige der Nachwuchs nun auf der Konzertbühne sein Können.
Bereits der Auftakt durch das Trompetenensemble unter Leitung von Michael Kraus setzte ein energisches Zeichen. Mit „Joshua fit the Battle of Jericho“ eröffnete das Ensemble den Abend klangvoll und mit prägnanter Dynamik. Die jungen Musiker überzeugten durch präzise Einsätze und einen homogenen Gesamtklang. Besonders eindrucksvoll gelang dabei der Wechsel zwischen kraftvollen Fanfarenpassagen und ruhigeren, getragenen Momenten.
Einen deutlichen stilistischen Kontrast bot anschließend „Techno Trumpets“ von Thomas Forkert. Hier zeigte das Ensemble nicht nur rhythmische Präzision, sondern auch Mut zu modernen Klangfarben. Die Verbindung aus klassischem Blechbläsersatz und technoiden Rhythmen wirkte frisch und unterhaltsam, ohne dabei in bloße Effekthascherei abzurutschen. Mit „Jazzy Jive“ von Mike Walton bewiesen die Musikerinnen und Musiker schließlich auch ihre stilistische Beweglichkeit im Swing- und Jazzbereich. Locker phrasiert und mit sichtbarer Spielfreude verabschiedete sich das Trompetenensemble unter Applaus.
Im Anschluss übernahm die Jugendkapelle der Stadtkapelle unter der Leitung von Miriam Raspe die Bühne und richtete sich insbesondere mit bekannten Melodien aus Film- und Musicalwelt an das Publikum. Bereits die „Highlights from Frozen“ sorgten für zahlreiche erkennbare Momente im Saal. Die jungen Bläser verstanden es, die emotionalen und klanglichen Kontraste der bekannten Disney-Musik wirkungsvoll umzusetzen. Besonders die ausgewogene Balance zwischen den einzelnen Registergruppen verlieh den Arrangements Transparenz und Ausdruckskraft.
Mit den „Highlights from Harry Potter“ wechselte die Atmosphäre in geheimnisvolle, fast magische Klangwelten. Die charakteristischen Themen von John Williams entfalteten sich eindrucksvoll und ließen die Fantasie des Publikums lebendig werden. Die Jugendkapelle meisterte die anspruchsvollen dynamischen Wechsel bemerkenswert souverän. Einen weiteren Höhepunkt setzte „Music from Wicked“. Hier überzeugte das Ensemble vor allem durch rhythmische Stabilität und einen warmen Gesamtklang. Die abwechslungsreichen Melodien wurden differenziert gestaltet und mit viel musikalischem Gespür interpretiert. Einen schwungvollen Abschluss dieses Konzertblocks bildete schließlich „Arocknophobia“.
Mit einem stilistisch erneut ganz anderen Zugang präsentierte sich anschließend das Streicherensemble „Archi Cantabile“ unter der Leitung von Diana Poppei. Der Welthit „Jerusalema“ erhielt in der Bearbeitung für Streicher einen überraschend eleganten und zugleich mitreißenden Charakter. Die jungen Musikerinnen und Musiker überzeugten mit sauberer Intonation und einem geschlossenen Ensembleklang.
Besonders stimmungsvoll gelang danach „California Dreaming“. Die bekannte Melodie wurde feinfühlig ausgearbeitet und entwickelte in der Streicherfassung eine beinahe nostalgische Atmosphäre. Mit „Powerhouse“ folgte schließlich ein temperamentvoller Kontrast. Das rasante Stück stellte hohe Anforderungen an Präzision und Zusammenspiel. Gerade in den schnellen Passagen zeigte sich die konzentrierte Probenarbeit der vergangenen Wochen.
Den Schlusspunkt des Konzertabends setzte das Jugendsinfonieorchester, ebenfalls geleitet von Miriam Raspe. Bereits mit Karl Jenkins „Palladio“ gelang dem Orchester ein eindrucksvoller Einstieg. Die markanten rhythmischen Strukturen und die spannungsreiche Dynamik entwickelten große Wirkung und verliehen dem Werk eine fast cineastische Atmosphäre.
Mit Johann Strauss berühmtem Walzer „An der schönen blauen Donau“ bewies das Orchester anschließend stilistische Eleganz und Sinn für musikalische Gestaltung. Die jungen Musikerinnen und Musiker gestalteten die Walzerpassagen mit Leichtigkeit und Charme, ohne dabei an Präzision einzubüßen.
Ein besonderes Highlight des Abends war das „The Empire Strikes Back Medley“ von John Williams. Die kraftvollen Themen aus dem Star-Wars-Universum sorgten für große Klangfülle und begeisterten nicht nur die jüngeren Zuhörerinnen und Zuhörer. Vor allem in den Blech- und Schlagwerkpassagen entfaltete das Orchester eindrucksvolle Energie. Zum Abschluss erklang die „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauss. Mit hohem Tempo, pointierter Artikulation und hörbarer Spielfreude setzte das Jugendsinfonieorchester einen mitreißenden Schlusspunkt unter einen abwechslungsreichen Konzertabend.
Das Publikum dankte allen Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus für ein Konzert, das klassische Konzertliteratur ebenso selbstverständlich einbezog wie moderne Filmmusik, Pop-Arrangements und jazzige Elemente.
Gäubote, 12.05.2026
Andreas Straub