Pressestimmen

Zwei Fliegen schwirren auf der Nase des Kochs

Märchenoper Dornröschen wird in der Musikschule aufgeführt

Zwei Fliegen schwirren auf der Nase des Kochs

Ein gutes Ende: Königssohn Arne Rubehn mit dem erlösten Dornröschen GB-Foto: Holom

Sogleich betreten die guten Feen die Bühne, in weißen Gewändern hebt der mehrstimmige Chor zu einer leichten Melodie mit der Bitte an die "wundervolle Märchenwelt" an, die Seelen mit Zauberglanz zu erfüllen. Der Erzähler betritt die Bühne, vor den Augen des Publikums lässt er mit poetischen Worten die Szenerie entstehen, vor der sich das bekannte Märchen abspielt. Das kleine Mädchen in der Wiege erfüllt das Königspaar mit derart großem Stolz, dass die Feen gebeten werden, das Kind mit ihren Gaben zu segnen. Der Herrscher jedoch kann nur zwölf goldene Schüsseln sein Eigen nennen, um die übernatürlichen Wesen zu bewirten, die 13. wird, wie dies auch in der Version der Gebrüder Grimm zu lesen ist, nicht eingeladen. Ihr Zorn lässt nicht lange auf sich warten, das Licht verändert sich, Laura Zinser betritt als böse Fee, ganz in Schwarz gehüllt, die Bühne. Als Spinnerin, die Lebensfäden abzuschneiden vermag, tut sie ihr unheilvolles Werk, so verkündet es die junge Sängerin mit kraftvoller Stimme.

Auch wenn der König in der Folge befiehlt, sämtliche Spindeln des Reiches zu zerstören und seine Tochter, die inzwischen zur jungen Frau herangereift ist, stets zu bewachen, kann der Lauf des Schicksals nicht verhindert werden. Mit kräftiger Stimme bis in die hohen Lagen hinein besingt Sophia Dongus als Dornröschen nach der Flucht aus dem sie bewachenden Schloss die Schönheit der Natur, ein Spinnrad wird kurz darauf auf der Bühne platziert, und man ahnt bereits, dass sich der Fluch der bösen Fee in Kürze erfüllen wird. Getarnt als alte Frau, verführt sie mit ihrem Gesang und dem Klang des Spinnrades das Mädchen, das sich schließlich an der Spindel sticht und in einen tiefen Schlaf fällt. Mit ihm versinkt das ganze Schloss in regungsloser Starre, nur zwei Fliegen schwirren noch durch die Gegend, ein besonderer Kniff, den Carl Reinecke in seinem Stück einbaute. Keck flattern sie dem nun schlafenden Koch, der seinen Gesellen ohrfeigen wollte, auf der Nase herum. Während Silvia Fansi Tchonko und Irene Glaser den beiden Insekten ihre Gesangsstimmen leihen, betreten Schüler der musikalischen Grundstufe die Bühne und schwirren als kleine Fliegen in einem munteren Tänzchen umher. Schließlich müssen auch sie sich dem Fluch der 13. Fee beugen und sich in einen 100-jährigen Schlaf begeben, während das Schloss von einer Dornenhecke umrankt wird. Als Königssohn, der die Hecke schließlich zu durchdringen vermag, betritt Arne Rubehn die Bühne, sowohl im Solo als auch im Duett mit dem durch ihn aus dem Schlaf erlösten Dornröschen weiß er mit kraftvoller Stimme zu überzeugen. Ganz im Stile des Genres siegt am Ende das Gute, der Fluch der bösen Fee ist gebrochen, das Schloss erwacht, und der arme Geselle kommt selbst nach 100 Jahren nicht um seine Ohrfeige herum.

 

 

Gäubote 01.04.2019                     Christiane Hornung

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